26.06.2015

OGH: Software - freies Werknutzungsrecht (§ 40d Abs 2 UrhG) u. unlauteres Ausnützen eines Vertragsbruchs

OGH 24.03.2015, 4 Ob 21/15i
Ein Lehrbeispiel u.a. dafür, warum man bei "Softwareverträgen" besonderes Augenmerk auf Vorhandensein und Inhalt von Regelungen über die Einräumung von Verwertungsrechten (Nutzungsrechten) legen sollte (Hervorhebungen durch mich):
[...] Zur Sicherung ihres gleichlautenden Unterlassungsanspruchs und eines damit zusammenhängenden Beseitigungsanspruchs beantragte die klagende Partei, der Beklagten mit einstweiliger Verfügung zu verbieten, die von der klagenden Partei für die Nebenintervenientin entwickelte Datenbanklösung zu verändern, weiterzuentwickeln, zu verbreiten oder auf sonstigem Wege zu verwerten sowie Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter über Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse der klagenden Partei zu befragen.
Sie brachte dazu im Wesentlichen vor, ihr stünden am Programm das ausschließliche Werknutzungsrecht und die damit in Zusammenhang stehenden Rechte zu. Die Nebenintervenientin habe nur das Recht erworben, die Software zu eigenen Zwecken nach Maßgabe der erworbenen Lizenzen auf mehreren Arbeitsplätzen zu installieren und zu benützen. [...]
2.4.1 Eine konkrete Vereinbarung über den Umfang der Verwertungsrechte zwischen der klagenden Partei und der Nebenintervenientin konnte von den Vorinstanzen nicht festgestellt werden. [...]
2.4.2 Entgegen dem Revisionsrekurs steht die angefochtene Entscheidung auch nicht im Widerspruch zur Rechtsprechung über das Ausmaß der Befugnisse, die ein Werknutzungsberechtigter durch einen Werknutzungsvertrag erwirbt, zumal diese Befugnisse im Zweifel nicht weiter auszulegen sind, als es für den praktischen Zweck der ins Auge gefassten Werknutzung erforderlich erscheint (RIS-Justiz RS0077726; RS0077654 [T5]). Auch die Einräumung eines Werknutzungsrechts hat somit nicht zwingend zur Folge, dass dem Berechtigten ein schrankenloses Recht zukommt. [...]
Die für eine bestimmungsgemäße Benutzung notwendige Bearbeitung des Programms bzw die Anpassung des Programms an die Bedürfnisse des Berechtigten kann mit einer (zulässigen) Veränderung der Software durch den Nutzer verbunden sein (Wiebe in Kucsko, urheber.recht 588 f mwN; Walter, Österreichisches Urheberrecht I Rz 1361). Unter das freie Werknutzungsrecht des § 40d Abs 2 UrhG fallende Handlungen sind durch das Unterlassungsgebot nicht ausgeschlossen, ohne dass es diesbezüglich einer einschränkenden Formulierung im Spruch bedarf (vgl  Ob 33/09w). [...]
2.7 Das Rekursgericht hat dem Beklagten die Veränderung oder Weiterentwicklung der Software daher zu Recht verboten. [...]

Final report: Comparative study on cloud computing contracts

Comparative study on cloud computing contracts - Final report  (pdf; prepared for the European Commission by DLA Piper UK LLP)
The present comparative law Study, encompassing the European Member States (excluding Croatia) and the U.S., has been conducted by the international law firm DLA Piper UK LLP. The Study has been coordinated by a multinational Core Team, with representatives from countries pertaining to the various legal traditions across Europe. [...]
This study provides an overview over legislation, case law and administrative guidelines applicable to cloud computing contracts. It explains how the existing specific and/or general legal principles apply to certain key contractual issues. The study is carried out in three work packages. The first work package provides a general overview over relevant legislation, case law and administrative guidelines in relation to cloud computing contracts in 27 EU Member States and the U.S. level. Under work package 2, eight countries out of this group were selected to be further analysed during work package 3. During this last phase, several key legal issues are subjected to an in-depth analysis. This input is further subjected to a comparative law assessment as a result of which several conclusions are presented in relation to the suitability of the current legal framework of the selected countries for cloud computing contracts. [...]
[...] Cloud computing is frequently based on a lack of any stable location of the data within the cloud provider’s network. The cloud client may therefore not be in a position to be able to know where the data is located, stored or transferred. The location of the data determines, however, under many cloud computing contracts, the law applicable to the contract. Article 25 of the Privacy Directive provides that the transfer of personal data to a third country may take place only if the third country in question ensures an "adequate level of protection". Several legal issues are further investigated in this respect. [...]

Art. 29 WP: Opinion on Privacy and Data Protection Issues relating to the Utilisation of Drones

Article 29 Working Party, Opinion 01/2015 on Privacy and Data Protection Issues relating to the Utilisation of Drones (pdf; WP 231), adopted on 16 June 2015
Executive Summary
In light of the progressive integration of drones into the European civil airspace and the emergence of numerous applications of drones (ranging from leisure, services, photography, logistics, surveillance of infrastructures) there is a real need to focus on the challenges that a large-scale deployment of drone and sensor technology could bring about for individuals’ privacy and civil and political liberties and to assess the measures necessary to ensure the respect for fundamental rights and data protection.
Indeed, several privacy risks may arise in relation to the processing of data (such as images, sound and geolocation relating to an identified or identifiable natural person) carried out by the equipment on-board a drone. [...]

25.06.2015

Weltimmo (EuGH/Generalanwalt): dsr. Auftraggeber, anzuwendendes Recht u. zuständige Datenschutzbehörde

EuGH 25.06.2015, Rs C‑230/14 - Weltimmo, Schlussanträge des Generalanwalts
V.      Ergebnis
72.      Nach alledem schlage ich dem Gerichtshof vor, die von der Kúria gestellten Vorlagefragen wie folgt zu beantworten:
1. Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 95/46 verwehrt es der ungarischen Datenschutzbehörde, das ungarische Recht auf einen für die Datenverarbeitung Verantwortlichen anzuwenden, der ausschließlich in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassen ist. Zu diesem Zweck ist der Begriff der Niederlassung auszulegen als das Bestehen einer festen Einrichtung, durch die, unabhängig von ihrer Rechtsform, eine effektive und tatsächliche Tätigkeit ausgeübt wird. Ein einziger Vertreter kann als feste Einrichtung angesehen werden, wenn er durch das Vorhandensein der erforderlichen personellen und technischen Mittel einen hinreichenden Grad an Beständigkeit zur Erbringung der konkreten in Rede stehenden Dienstleistungen aufweist.
      Andere Elemente wie der Ort, von dem aus die Daten eingegeben wurden, die Staatsangehörigkeit der Betroffenen, der Wohnsitz der Eigentümer des für die Datenverarbeitung verantwortlichen Unternehmens oder die Tatsache, dass die von diesem Verantwortlichen erbrachte Dienstleistung auf das Staatsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ausgerichtet ist, sind für die Bestimmung des anzuwendenden Rechts nicht von unmittelbarer und entscheidender Bedeutung, abgesehen davon, dass sie bei der Bestimmung des Ortes der Niederlassung und insbesondere bei der Feststellung, ob die Datenverarbeitung im Rahmen der Tätigkeiten dieser Niederlassung erfolgt ist, Indizien für den effektiven und tatsächlichen Charakter der Tätigkeit darstellen können.
2. Kommt das nationale Gericht zum Ergebnis, dass nach dem Anknüpfungskriterium von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 95/46 sein nationales Recht nicht anwendbar ist, ist Art. 28 Abs. 6 dieser Richtlinie dahin auszulegen, dass die Zuständigkeit zur Verhängung von Sanktionen für Verstöße im Zusammenhang mit der Datenverarbeitung der Kontrollstelle des Mitgliedstaats zukommt, dessen Recht anwendbar ist, unabhängig davon, welche örtlich zuständige Behörde alle in Art. 28 Abs. 3 genannten Befugnisse in ihrem Staatsgebiet nach Maßgabe ihres nationalen Rechts anwenden kann.
3. Der Begriff „adatfeldolgozás“, der in Art. 4 Abs. 1 Buchst. a und Art. 28 Abs. 6 der ungarischen Version der Richtlinie 95/46 verwendet wird, ist dahin auszulegen, dass er sowohl die Datenverarbeitung im weiteren Sinne als auch die Durchführung technischer Aufgaben im Zusammenhang mit Operationen der Datenverarbeitung umfasst.

24.06.2015

Study: US legal system on data protection in the field of law enforcement

Study by Prof. Francesca Bignami for the LIBE Committee: The US legal system on data protection in the field of law enforcement. Safeguards, rights and remedies for EU citizens
Abstract
Upon request by the LIBE Committee, this study surveys the US legal system of data protection in the field of federal law enforcement. It reviews two principal sources of US data protection law, the Fourth Amendment to the US Constitution and the Privacy Act of 1974. It also considers the legally prescribed methods of data collection, together with their associated data protection guarantees, in ordinary criminal investigations and national security investigations. Throughout, the study pays special attention to the rights afforded to EU citizens.

19.06.2015

Art. 29 WP: Core topics in the view of trilogue

Article 29 Data Protection Working Party, Core topics in the view of trilogue (Annex):
Following the opinions and statements already issued relating to the data protection reform, the Working Party would like to express its views on some identified areas of concern that need further attention in the perspective of the trilogue between European institutions. [...]

15.06.2015

Study: Privacy and Data Protection Implications of the Civil Use of Drones

European Parliament, In-depth analysis: Privacy and Data Protection Implications of the Civil Use of Drones (PE 519.221, pdf)
Abstract: At the request of the LIBE Committee, this research addresses the implications of the integration of drones for civilian use into the European civil aviation system. It notably looks into the EU policy on drones and the potential impacts on citizens' right to privacy and data protection, as well as on security and safety. The research concludes that a series of important pre-conditions still need to be addressed and met in order to ensure that drones do not pose serious risks for citizens' fundamental rights to privacy and data protection, to security and to safety.

Veranstaltungshinweis (Wien): "Biomaterial – Wertvolle Forschungswerkzeuge sinnvoll und sicher nützen"

Expertinnen und Experten aus Forschung, Ethik, Medizinrecht und Industrie diskutieren aktuelle Fragen zum Umgang mit humanen und veterinären Biomaterialien in Österreich.
Biomaterialien, in Biobanken gesammelt und medizin-technisch dokumentiert, gewinnen auf Grund der rasanten technologischen Entwicklung für medizinische Forschung und die Entwicklung von Biomarkern immer mehr Bedeutung. Welche Chancen bietet dieser Trend für die österreichischen Betreiber und Nutzer von Biobanken? Qualitätssicherung und Datenschutz stellen hohe Anforderungen an Biomaterialien – wie kann damit vernünftig umgegangen werden? Experten und Expertinnen aus den Bereichen Forschung, Industrie, Arzneimittelsicherheit, Recht und Ethik beleuchten und diskutieren das Thema.
Datum: 29.06.2015
Uhrzeit: 13:00
Ort: Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS), Walcherstrasse 11A, 1020 Wien
Quelle: AWS und WTZ; mehr hier und hier (pdf, Programm).

GDPR: Presidency's proposal for a General Approach (updated)

Proposal for a Regulation of the European Parliament and of the Council on the protection of individuals with regard to the processing of personal data and on the free movement of such data (General Data Protection Regulation) - Preparation of a general approach (pdf; document dated 11.6.2015, GDPR draft as of 9.6.2015):
[...] With a view to providing the Presidency with a mandate to engage in negotiations with the representatives of the European Parliament, the Council is invited to approve the text of the General Data Protection Regulation as it appears in annex as a General Approach.

The Council will try to reach a general approach on the whole draft regulation setting out a general EU framework for data protection. This general approach will constitute the basis for negotiations with the European Parliament in order to agree the final text of the regulation. [Source: @EUCouncilPress]

Updates 15.06.2015:
On 15 June 2015, the Council reached a general approach on the general data protection regulation that establishes rules adapted to the digital era. The twin aims of this regulation are to enhance the level of personal data protection for individuals and to increase business opportunities in the Digital Single Market. [...]
A general approach means that the Council has a political agreement on the basis of which it can now begin negotiations with the European Parliament with a view to reaching overall agreement on new EU data protection rules. A first trilogue with the Parliament is planned for 24 June 2015. [...]
Source: Council, press release

Futurezone: Für Österreich stimmte Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) gegen den Text. Er begründete dies mit dem hohen österreichischen Datenschutzniveau, welches nicht verwässert werden dürfe. 

09.06.2015

GDPR draft: Consolidated version dated 5 June 2015

Proposal for a Regulation of the European Parliament and of the Council on the protection of individuals with regard to the processing of personal data and on the free movement of such data (pdf, General Data Protection Regulation):
In annex appears a consolidated version of the General Data Protection Regulation as it stands after the meeting of Justice and Home Affairs  Counsellors on 5 June 2015. [...]
Source: Statewatch
Update 15.06.2015: On 15 June 2015, the Council reached a general approach on the general data protection regulation, see here.

Parlament (NR): Bericht über die Anwendung und Erfahrungen mit dem "Prüm-like-Abkommen" (PCSC)

Bericht [pdf] über die Anwendung und Erfahrungen mit dem "Prüm-like-Abkommen" aufgrund der Entschließung des Nationalrates vom 29. Februar 2012, E 232-NR/XXIV. GP, vorgelegt von der Bundesministerin für Inneres (III-182 d.B.):
[...] 3. Erfahrungen mit der Anwendung des Abkommens
3.1. Für die Zusammenarbeit im Bereich daktyloskopische Daten
Nachdem der operative Datenaustausch wegen der noch laufenden technischen Umsetzungsarbeiten noch nicht aufgenommen wurde, liegen keine Erfahrungen vor.
3.2. Für die Zusammenarbeit gemäß Artikel 10 des Abkommens
Im Bereich der Übermittlung personenbezogener und anderer Daten zur Verhinderung schwerer Straftaten mit einer transnationalen Dimension liegen derzeit keine Erfahrungen vor, da die Zusammenarbeit bislang auf der Grundlage von Rechtshilfeersuchen, insbesondere auf der Grundlage des Vertrages zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 23. Februar 1995 (BGBI III Nr. 107/1998), in der Fassung des Protokolls zu dem am 23. Februar 1995 unterzeichneten Vertrag zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Rechtshilfe in Strafsachen im Sinne des Artikels 3 Absatz 2 des am 25. Juni 2003 unterzeichneten Abkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika über Rechtshilfe vom 20. Juli 2005 (BGBI 111 Nr. 7/2010), in Verbindung mit dem Bundesgesetz über die internationale polizeiliche Kooperation (Polizeikooperationsgesetz - PoIKG), erfolgte. Im Bereich der Übermittlung personenbezogener und anderer Daten zur Verhinderung terroristischer Straftaten liegen ebenfalls keine Erfahrungen vor, da die Zusammenarbeit auf der Grundlage der bereits bestehenden Rechtsgrundlagen erfolgt.
[...]
Siehe auch schon hier und hier.

Diplomarbeit: Die Zuläs­sig­keit der Daten­ver­wen­dung als Vor­aus­set­zung des Rechts auf Löschung

Martin C. WaltherDie Zulässigkeit der Datenverwendung als Voraussetzung des Rechts auf Löschung (pdf; Diplomarbeit 2015, Universität Salzburg, betreut von ao. Univ.-Prof. Dr. iur. Dietmar Jahnel)
Diese Diplom­ar­beit wid­met sich der Zuläs­sig­keit der Daten­ver­wen­dung als Grund­vor­aus­set­zung des Rechts auf Löschung. Inhalt­lich beginnt die Arbeit mit einer über­blicksar­ti­gen Dar­stel­lung des Grund­rechts auf Daten­schutz, der mög­li­chen Ein­schrän­kun­gen des Grund­rechts und der Beson­der­heit der Dritt­wir­kung unter Pri­va­ten. Der Haupt­teil befasst sich mit der Zuläs­sig­keits­prü­fung nach dem DSG, da das Nicht-Vorliegen von Zuläs­sig­keits­grün­den für eine Daten­ver­wen­dung die Grund­vor­aus­set­zung dafür ist, dass ein Recht auf Löschung besteht oder nicht. Dar­auf auf­bau­end wird auf das Löschungs­recht im öffent­li­chen Bereich ein­ge­gan­gen. Hier­bei wer­den die Frage des Vor­lie­gens einer sog ‘manu­el­len Datei’ bei Papier­ak­ten sowie die Pro­blem­fel­der des Löschungs­rechts im Bereich des EKIS - erken­nungs­dienst­lich per­so­nen­be­zo­gene Daten nach dem SPG und per­so­nen­be­zo­gene Daten bei Ermitt­lungs­maß­nah­men nach der StPO - behan­delt.
Für den pri­va­ten Bereich wird anhand der Bei­spiele Face­book und Google gezeigt, wie schwie­rig und auf­wän­dig es sein kann, das nach euro­päi­schem Daten­schutz­recht beste­hende Löschungs­recht in der Pra­xis durchzusetzen.

Quelle: IT-LAW.at
Anmerkung: Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf dieses rezente Erkenntnis des VfGH zum "Recht auf physische Vernichtung von Papierakten gemäß § 1 Abs 1 DSG 2000".

04.06.2015

OGH: Haftungsbegrenzung auf den positiven Schaden in AGB

OGH 18.03.2015, 3 Ob 234/14d
2.2. Punkt 11. der von der erstklagenden Partei gegengezeichneten Allgemeinen Verkaufs- und Lieferbedingungen der erstbeklagten Partei enthält eine Haftungsbeschränkung zu ihren Gunsten auf grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz für Schadenersatzansprüche aller Art (Punkt 11.1.), wobei „Schadenersatzansprüche in jedem Fall nur die reine Schadensbehebung, nicht aber auch Folgeschäden und entgangenen Gewinn umfassen“ (Punkt 11.2.). [...]
4.4. Vereinbarungen über den Ausschluss oder die Beschränkung der Haftung sind nur insoweit wirksam, als ihr Abschluss oder doch ihre Anwendung im Einzelfall nicht gegen die guten Sitten verstößt (RIS-Justiz RS0038178). Die Beurteilung der Frage, ob ein Haftungsausschluss bei grob fahrlässigem Verhalten des Schädigers wegen Sittenwidrigkeit als unwirksam anzusehen ist, kann nicht allgemein beantwortet werden, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab (2 Ob 108/74 = SZ 48/67).
4.4.1. Die ältere Rechtsprechung stellte vor allem darauf ab, ob es sich um einen Schaden aus den für das Rechtsverhältnis typischen oder wenigstens im Einzelfall voraussehbaren Gefahren handelt; nur wenn die unterlaufene Fahrlässigkeit so krass ist, dass mit einem derartigen Verhalten nach den Erfahrungen des Lebens nicht gerechnet werden muss, ist ein Bestehen auf der Haftungsausschlussvereinbarung sittenwidrig (6 Ob 72/58 = SZ 31/57; RIS-Justiz RS0016582).
4.4.2. In der jüngeren Rechtsprechung nimmt der Oberste Gerichtshof zunehmend auf eine umfassende Interessenabwägung Bezug. So wurde in 6 Ob 541/92 (= ÖBA 1992, 225 [Jabornegg]) die Freizeichnung für eine falsche Auskunft über Subventionsmöglichkeiten im Rahmen der Finanzierung eines Unternehmens durch eine Bank auch für grobe Fahrlässigkeit für unwirksam erklärt, weil einerseits eine richtige Beratung für den Kunden von essentieller Bedeutung war, andererseits zwischen der Bank und dem Kunden eine beträchtliche Ungleichgewichtssituation bestand.
4.4.3. Diese Entwicklung wurde in der Literatur begrüßt (siehe Graf in Kletečka/Schauer, ABGB-ON1.01 § 879 Rz 306). Kriterien der Interessenabwägung im Unternehmerbereich sind etwa, ob sich die Freizeichnung auf eine Haupt- oder bloß Nebenpflicht bezieht, oder darauf, inwieweit zwischen den Vertragsparteien ein Ungleichgewicht besteht. Sofern es nicht um eine vertragliche Hauptleistung geht, wird eine Freizeichnung für entgangenen Gewinn in weiterem Umfang zulässig sein als die Freizeichnung für den positiven Schaden (Koziol, Haftpflichtrecht I3 [1997] Rz 18/22).
4.4.4. Unter Bedachtnahme darauf, dass ein Unternehmergeschäft vorliegt und kein gänzlicher Haftungsausschluss, sondern eine Haftungsbegrenzung auf den positiven Schaden vorgesehen ist, ist die Rechtsansicht des Berufungsgerichts, die von den klagenden Parteien beanstandete Klausel sei nicht sittenwidrig, im Einzelfall durchaus vertretbar. [...]

Ö: Veranstaltungshinweis "Datensicherheit im Unternehmen"

Die Veranstaltung zum (immer aktuellen) Thema "Datensicherheit im Unternehmen“ (u.a. mit Dr. Schmidl von der  österr. Datenschutzbehörde zu "Datensicherheit: Beispiele aus der Entscheidungspraxis der Datenschutzbehörde") findet am 26. Juni 2015 am ReSoWi-Zentrum der Karl-Franzens-Universität Graz statt, mehr dazu hierTagungsprogramm (pdf)

OGH zu Alkoholkontrollen von Mitarbeitern

OGH 20. 3. 2015, 9 ObA 23/15w
Die Interessen der Arbeitnehmer an der Wahrung ihrer körperlichen Integrität und Privatsphäre überwiegen die Interessen des Arbeitgebers an einer unangekündigten und ohne besondere Verdachtslage durchgeführten Kontrolle der Mitarbeiter durch einen Alkomattest.
Quelle: OGH Pressemeldung
Die Beschlüsse der Vorinstanzen werden dahin abgeändert, dass der Beschluss des Erstgerichts zu lauten hat: „Der beklagten und gefährdenden Partei wird bis zum Eintritt der Rechtskraft der Entscheidung in der Hauptsache verboten, flächendeckende oder willkürliche (dh ohne Vorliegen konkreter Verdachtsmomente angeordnete) Alkoholkontrollen unter den von der klagenden Partei vertretenen Arbeitnehmern durchzuführen oder die von der klagenden Partei vertretenen Arbeitnehmer anzuweisen, sich flächendeckenden oder willkürlichen Alkoholkontrollen zu unterziehen.“

03.06.2015

GDPR draft: Consolidated version dated 1 June 2015

Council of the European Union: Proposal for a Regulation of the European Parliament and of the Council on the protection of individuals with regard to the processing of personal data and on the free movement of such data (pdf; General Data Protection Regulation): 
In view of the meeting of Justice and Home Affairs Counsellors on 1 June 2015, delegations will find in annex a consolidated version of the General Data Protection Regulation as it stands on 29 May 2015. This consolidated version does not yet include the most recent provisions on scope (Article 2(2)(e), Article 21(1)(b), recital (16)). With a view to preparing a text that obtains the required majority in Council at the Council on 15/16 June 2015, the Presidency prepared new compromise suggestions in relation to the provisions below. [...]
Source: Statewatch

Österreich: Ministerialentwurf einer Urheberrechts-Novelle 2015

Ministerialentwurf: Bundesgesetz, mit dem das Urheberrechtsgesetz und das Verwertungsgesellschaftengesetz 2006 geändert werden (Urheberrechts-Novelle 2015 - Urh-Nov 2015)
Inhalte [auszugsweise]
Der vorliegende Entwurf enthält im Wesentlichen folgende Änderungen des Urheberrechtsgesetzes und des Verwertungsgesellschaftengesetzes 2006.
Änderungen des Urheberrechtsgesetzes
1. Filmurheberrecht – „cessio legis“
2. Leerkassettenvergütung – Einbeziehung multifunktioneller Speichermedien
3. Leistungsschutzrecht für die Hersteller von Zeitungen und Zeitschriften
4. Freie Werknutzungen (Vervielfältigung zum eigenen bzw. privaten Gebrauch, Nutzungen zugunsten von Menschen mit Behinderungen, unwesentliches Beiwerk, Zitate, öffentliche Zurverfügungstellung für Unterricht und Lehre, Kopienversand auf Bestellung) und Erleichterungen für die Nutzung von Werken in Prüfungsaufgaben („Zentralmatura“)
5. Zweitverwertungsrecht für Urheber wissenschaftlicher Beiträge
6. Modernisierung der Bestimmungen über das verwandte Schutzrecht der ausübenden Künstler und Veranstalter
7. Auflassung des „Urheberregisters“ (§§ 60 bis 61c)
Änderungen des Verwertungsgesellschaftengesetzes
1. Begleitmaßnahmen zur Reform des § 42b UrhG (§§ 18a und 18b VerwGesG)
2. Erweiterung der Transparenzbestimmungen

Update: Stellungnahmen hier; das vorgesehene Leistungsschutzrecht soll (vorerst) nicht beschlossen werden.

02.06.2015

Art. 29 WP: Explanatory Document on BCR for Processors (revised)

Article 29 Data Protection Working Party, Explanatory Document on the Processor Binding Corporate Rules, WP204 (pdf; adopted on 19 April 2013, last revised and adopted on 22 May 2015)
How Processor BCR companies should respond to government requests for access to data.

01.06.2015

UN Report on the promotion and protection of the right to freedom of opinion and expression

Report of the Special Rapporteur on the promotion and protection of the right to freedom of opinion and expression, David Kaye:
[...] Encryption and anonymity, today’s leading vehicles for online security, provide individuals with a means to protect their privacy, empowering them to browse, read, develop and share opinions and information without interference and enabling journalists, civil society organizations, members of ethnic or religious groups, those persecuted because of their sexual orientation or gender identity, activists, scholars, artists and others to exercise the rights to freedom of opinion and expression. [...]